Büdingen im Wetteraukreis ist eine wirklich nette kleine Stadt. Es gibt auch ein paar wirklich nette Geschäfte. Obwohl z.B. die Internetseiten von Mode Helfmann und Müller und Ditschler es nicht unbedingt vermuten lassen (ich erstelle gerne mal ein Angebot
), wird man dort wirklich gut beraten und findet tolle Kleidung.
Nachdem mein Sohn, meine Frau und ich uns letzten Samstag dort eingekleidet hatten und diverse andere Erledigungen im Eilschritt tätigten, saßen wir gemütlich in der Eisdiele von Valentino.
Es war kurz nach 15 Uhr. Die Straßen waren leer, denn die meisten Geschäfte schließen in Büdingen scheinbar schon gegen 14 Uhr.
Meine Frau und mich wunderte das. Klagt nicht gerade der Einzelhandel über massive Umsatzeinbrüche? Das Internet und die Shoppingmalls ausserhalb der Kernstadt tragen ja genug dazu bei. Der Fachhandel leidet darunter.
Wie können die es sich also leisten, so früh Ihren Laden zu schliessen. Insbesondere an einem Samstag?
Arbeitszeiten im Einzelhandel
Man hört oft das Argument, dass die Verkäufer im Einzelhandel ja sowieso schon am längsten arbeiten. Allerdings wundert mich das. Arbeiten die nicht 38,5 Stunden pro Woche?
Oder bezieht sich das nur auf die Arbeitszeiten? Dann würde man ja aber alle Arbeiter im Schichtbetrieb oder die Ärtze und Krankenschwestern ausser acht lassen.
Von den ganzen “kleinen” selbstständigen Unternehmern mal ganz abgesehen. Die können über 38,5 Stunden pro Woche meist nur lachen.
Wir verkaufen nicht mehr, wenn wir länger auf haben
Auch das höre ich oft. Aber ich denke da wird falsch gerechnet. Die Geschäfte verkaufen zwar nicht mehr wenn sie länger geöffnet haben, aber sie verkaufen sicherlich weniger, wenn sie früher als die Mitbewerber schließen.
Das hat nicht nur Einfluss auf die einzelnen Geschäfte. Je weniger Geschäfte geöffnet sind, um so weniger Kunden finden den Weg in die Innenstadt. Das merkt auch unser Freund Valentino. Sobald die Geschäfte geschlossen haben, ist kein Mensch mehr auf der Straße, der Eis kauft.
Die Kunden überlegen sich, ob sie Ihren Einkauf unter Zeitdruck in der Innenstadt erledigen, oder ob sie lieber in die Shopping Mall fahren. Frankfurt ist nur ein paar Kilometer weiter. Dafür kann man bis 20 Uhr - oder länger - einkaufen, gemütlich ein Eis essen und zum Schluss vielleicht sein Abendessen dort kaufen.
Herr Ebert vom Schuhaus Darré in Gießen hat es gut erkannt: “Die Innenstadt ist eine Shopping Mall”. Der Einzelhandel muss nur an einem Strang ziehen.
Business Improvement Districts und INGE
Darum wurden in Gießen sogenannte BIDs (Business Improvement Districts) gegründet. Sehr erfolgreich wie ich finden. Endlich werden die Schaufenster leerstehender Geschäfte mit tollen Motiven abgeklebt und man fühlt sich nicht mehr wie im “Tal des Todes”. Auf dem Seltersweg ist an einem Samstag richtig was los. Zahlreiche Aktionen sorgen für Stimmung und die Menschen kaufen ein.
Hoffentlich blutet die Büdinger Innenstadt nicht genauso aus, wie zahlreiche Innenstädte in ganz Deutschland. Es wäre schade drum …

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